Erste-Hilfe-Liste

Den Ernstfall kann man nicht üben. Ein Trauerfall kommt meist plötzlich und unerwartet und man steht hilflos den Aufgaben gegenüber, die nun auf einen zukommen. Ich möchte Ihnen hier eine kleine Erste-Hilfe-Liste geben, anhand derer Sie Ihre Schritte planen können.

Ganz wichtig ist es zu wissen, dass Sie nicht alleine sind und nicht alles alleine schaffen müssen. Es gibt viele Fachberufler, die Ihnen einen Teil der Last abnehmen können und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich kann nur empfehlen, sich Hilfe zu suchen, wenn das Gefühl von „Ich schaff das nicht!“ übermächtig wird und Sie zu lähmen droht.

1. Bestatter auswählen.

Bestatter sind Familienunternehmen und oft über mehrere Generationen im Geschäft. Vielleicht kennen Sie bereits einen Bestatter, der vor langen Jahren schon in Ihrer Familie tätig war? Im Idealfall hat er noch alte Unterlagen oder kennt Ihre Familie persönlich. Einen Bestatter in örtlicher Nähe zu haben, erleichtert die Vorbereitung durch kurze Anfahrtswege. Der Bestatter wird den Leichnam des Verstorbenen aus dem Krankenhaus oder von Zuhause in sein Unternehmen überführen und für die Beerdigung vorbereiten, u.a. also waschen und kleiden. Diese Arbeiten dürfen übrigens auch Sie selbst übernehmen, auch im Hause des Verstorbenen, selbst wenn dieser im Krankenhaus verstarb – sprechen Sie mit Ihrem Bestatter darüber, was Sie möchten! Manchmal kann es schön und hilfreich sein, den Verstorbenen noch einmal zu sehen, anfassen zu dürfen und sich so ganz persönlich von ihm oder ihr zu verabschieden. In vielen Kulturen werden auch Totenwachen gehalten, und Nachbarn und Freunde kommen vorbei. Es ist Ihre Entscheidung, hören Sie auf Ihr Gefühl!

2. Die Wohnung des Verstorbenen inspizieren und Haustiere retten.

Gehen Sie in das Haus oder die Wohnung des Verstorbenen und stellen Sie sicher, dass eventuell vorhandene Haustiere gut versorgt werden. Wenn Sie nicht wissen, wohin mit dem Tier und es selbst nicht mitnehmen können, fragen Sie beim örtlichen Tierheim an: meistens kann man dort Tiere auch für eine kurze Zeit zwischenunterbringen, bis man einen neuen Platz für sie hat, oder das Tierheim kennt sogenannte „Pflegestellen“, also Menschen, die temporär begrenzt fremde Tiere bei sich zur Pflege aufnehmen, bis sie ein neues Zuhause haben. Möglicherweise kann sich auch eine Nachbarin oder ein Nachbar um das Tier kümmern. Auch online kann man sich Hilfe holen – es gibt Hunde- und Katzenhotels, in denen man Tiere für eine gewisse Zeit unterbringen kann, oder Haustiersitter, die mehrmals am Tag vorbeikommen können und das Tier in seiner gewohnten Umgebung versorgen.

3. Pflanzen gießen und Kühlschrank ausräumen.

Schauen Sie, ob die Zimmerpflanzen genügend Wasser haben und gießen Sie im Zweifelsfall. Dann sollten Sie den Kühlschrank auf verderbliche Ware überprüfen und mitnehmen oder wegschmeißen, was schnell verdirbt (Käse, Wurst, alles Angebrochene/Unverschlossene, Gemüse, Obst). Vergessen Sie nicht, auch Vorratskammern und Obstschalen zu kontrollieren. Fruchtfliegen entwickeln sich schnell und diese wieder loszuwerden ist anstrengend. Wenn Sie können, räumen Sie den gesamten Kühlschrank aus und nehmen mit/schmeißen weg, was geht. Dann können Sie den Kühlschrank vom Strom nehmen (tun Sie das nur, wenn Sie keine Trauerfeier bei dem Verstorbenen zu Hause in Erwägung ziehen) – legen Sie Handtücher in den leeren Kühlschrank, damit die Feuchtigkeit aufgenommen werden kann und lassen Sie die Kühlschranktüren offenstehen, damit sich kein Schimmel oder schlechte Gerüche entwickeln.

4. Das Gespräch mit dem Bestatter.

Im Gespräch mit dem Bestatter (das kurz nach der Beauftragung des Bestatters liegen wird) wird er oder sie folgende Punkte mit Ihnen klären:

  1. Welchen Sarg und welche Ausstattung wünschen Sie?
  2. Soll es eine Erd-, Feuer-, oder Seebestattung sein?
  3. Beisetzungsfeier planen (Welche Musik soll gespielt werden? Soll es Reden/Ansprachen geben, wenn ja, von wem – der Pastorin, einem Familienmitglied oder einer freien Trauerednerin? Welchen Blumenschmuck wünschen Sie sich und welcher Text soll auf den Schleifen der Kränze stehen? Soll die Beerdigung im kleinen Kreis oder öffentlich stattfinden? Wollen Sie Bilder des Verstorbenen aufstellen- wenn ja, welche und in welcher Vergrößerung und welchem Rahmen?). Es kann sein, dass der Bestatter nicht alle Aufgaben übernimmt und Sie selbst Fotos vergrößern oder einen Trauerredner suchen müssen.
  4. Traueranzeige planen (Soll sie religiös geprägt oder leger sein, mit welchem Text verabschieden Sie sich vom Verstorbenen, setzen Sie ein Zitat in die obere Anzeigenecke oder nicht, möchten Sie ein Bild des Verstorbenen oder ein Symbol einfügen, in welcher Zeitung/welchen Zeitungen wollen Sie die Anzeige veröffentlichen?)
  5. Grabstelle kaufen/anmelden, bzw. bei Seebestattungen Termin zur Urnenbeisetzung auf See vereinbaren oder die Friedwaldsbeisetzung planen. Es gibt außerhalb dieser Möglichkeiten noch andere Optionen, Ihrem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen- aus der Asche kann ein Bäumchen entstehen, oder über den Umweg durch das Ausland ist es auch möglich, Urnen zu Hause zu haben oder im Garten, wo das Regenwasser die Asche des Verstorbenen über einen gewissen Zeitraum auswäscht und so den Garten düngt – fragen Sie Ihren Bestatter oder informieren Sie sich online, wenn Ihnen die klassischen Alternativen nicht geeignet erscheinen.

5. „Leichenschmaus“ – oder Trauerkaffee.

Wollen Sie den sogenannten Leichenschmaus im eigenen Zuhause des Verstorbenen stattfinden lassen? Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Menschen können im Umfeld des Verstorbenen auf persönliche Art und Weise Abschied nehmen und seines oder ihres Lebens gedenken. Häufig ist die Veranstaltung auf diese Weise auch günstiger – es fällt keine Miete an und Essen und Getränke können selbst organisiert werden.

Der Nachteil ist, dass Sie dann dort erstmal Klarschiff machen müssen – oft ist viel aufzuräumen oder man fühlt sich verpflichtet, zu putzen. Fragen Sie ein professionelles Putzunternehmen oder einen Aufräumdienst um Hilfe, das kann die Situation für Sie erleichtern. Für die Feier bestellen Sie Kuchen beim lokalen Bäcker oder beauftragen Sie ein Cateringunternehmen oder einen lokalen Brötchendienst- Sie müssen nicht alles alleine machen.

Entschließen Sie sich, die Trauerfeier in einem Restaurant oder Café stattfinden zu lassen, empfehle ich, ein friedhofsnahes Etablissement auszusuchen. Meistens haben diese bereits Erfahrungen mit Trauerkaffees und können entsprechende Angebote machen, ggf. mit passender Dekoration in einem eigenen abgetrennten Bereich entfernt von den Tagesgästen. Ob man Kaffee und Kuchen oder lieber herzhafte Brötchen serviert, bleibt Ihnen überlassen. Vielleicht kann man sich an der Tageszeit orientieren: Brötchen eher vormittags, Kaffee und Kuchen nachmittags. Der Bestatter kann Ihnen dort auch Rat erteilen; manche Bestatter organisieren auch dieses Zusammenkommen – sprechen Sie ihn an.

6. Erbe ausschlagen oder annehmen?

Machen Sie sich Gedanken darüber, ob Sie das Erbe Ihres Verstorbenen annehmen oder ausschlagen wollen. Hat jemand hohe Schulden zu Lebzeiten angesammelt, müssen Sie diese im Erbfall übernehmen, außer, Sie schlagen das Erbe aus. Um ein Erbe auszuschlagen, haben Sie sechs Wochen Zeit- die Zeit fängt an zu laufen, wenn Sie von der Erbschaft erfahren (wenn Sie direkte Verwandte sind, ist das also mit der Kenntnissnahme des Todes des Verstorbenen geschehen). Bitte beachten Sie, dass sämtliche Erben in der Erbreihenfolge das Erbe ausschlagen müssen (oder annehmen können). Wenn Sie die Frist von sechs Wochen vertreichen lassen, nehmen Sie automatisch das Erbe (in der gesetzlichen Erbfolge) an. Bitte lassen Sie sich hierzu von einem Anwalt oder Notar beraten, diese Hinweise hier sind nicht rechtlich bindend und nur als erster Hinweis zu verstehen.

7. Erbschein beantragen.

Gibt es kein Testament oder (Konto-) Vorsorgevollmachten kann es nötig sein, einen Erbschein zu beantragen, um z.B. Konten zu schließen, Depots oder Aktien aufzulösen oder zu veräußern. Ein Erbschein ist auch nötig, wenn Grundbesitz vorhanden ist und das Grundbuch umgeschrieben werden muss. Ausnahme ist, wenn das Testament eindeutig die Erbfolge regelt und das Grundbuchamt dieses Testament annimmt. Um den Erbschein zu beantragen, müssen Sie zum Amtsgericht oder Sie beauftragen Ihren Anwalt oder Notar. Sie brauchen folgende Unterlagen: Ihren Ausweis (Personal- oder Reisepass), Sterbeurkunde des Erblassers, das Testament oder den Erbvertrag (sowie vorhanden) oder alternativ (wenn kein Testament oder Erbvertrag vorhanden sind) Ihre Geburts- oder Hochzeitsurkunde um den Nachweis der gesetzlichen Erbfolge zu erbringen. Sind Sie geschieden, müssen Sie auch Ihre Scheidungsurkunde einreichen, um zu beweisen, dass es keinen etwaigen weiteren Erben gibt. Sie werden den Wert des Erbes und auch etwaig vorhandene Schulden des Erblassers aufzeigen müssen – es handelt sich hier natürlich um Schätzwerte, die so genau wie möglich erfolgen müssen.

Es ist wichtig zu wissen, dass nach der Beantragung des Erbscheins das Erbe nicht mehr ausgeschlagen werden kann – sie sollten also vorher genau wissen, ob der Erblasser hoch verschuldet war oder positive Werte hinterlässt.

Bitte fragen Sie unbedingt Ihren Anwalt oder Notar nach dem geeigneten Vorgehen, dieser Beitrag ist nur als erster Hinweis zu verstehen und ist nicht rechtsbindend. Bitte beachten Sie, dass in Badem-Württemberg andere Voraussetzungen gelten, hier bitte ebenfalls einen Notar oder Anwalt zu Rate ziehen.

8. Wertvolles aus dem Haus des Verstorbenen sichern.

Wenn das Haus oder die Wohnung des Verstorbenen nach dessen Tod nicht von jemand anderem bewohnt wird, sollte man Geldwerte, Schmuck, etc. unbedingt aus dem Wohnraum entnehmen und mit nach Hause bringen. Einbrüche in leerstehende Wohnungen sind keine Seltenheit.

9. Grabstein und Grabpflege (entfällt bei anonymen Gräbern, Seebestattungen und Friedwaldsbestattungen).

Ist die Beerdigung vorbei, dauert es einige Zeit, bis sich die Erde gesetzt hat. Meist wird nach einiger Zeit nochmals Erde aufgeschüttet. Nun ist es an Ihnen, zu bestimmen, wie das Grab aussehen soll und ob sie es selbst bepflanzen und pflegen möchten, oder diese Aufgabe einer Friedhofsgärtnerei übertragen wollen. Ebenso müssen Sie jetzt entscheiden, welchen Grabstein Sie auf das Grab setzen wollen, wie es aussehen und was darauf stehen soll. Suchen Sie sich einen Steinmetz, der Ihre Wünsche erfüllt – er erstellt Ihnen gerne ein Angebot.

10. Online Gedenkseite.

Einige Zeitungen bieten online Gedenkseiten für Verstorbene an, für die Sie eine Anzeige geschaltet hatten. Diese Gedenkseiten werden häufig von den Lesern der online-Ausgabe der Zeitung besucht, aber vielleicht möchten Sie den Link auch an Freunde und Verwandte weitergeben. Auf der Gedenkseite kann man z.B. eine virtuelle Kerze anzünden (schön auch zum Gedenken des jährlichen Todestages) oder Fotos einstellen, Videos und Anekdoten… Diese Seite bleibt oft lange Jahre bestehen und kann eine schöne Möglichkeit sein, mit anderen Trauernden in Kontakt zu treten.

11. Zeit für sich einplanen.

Bitte denken Sie in dieser schweren Zeit auch ein wenig an sich. Wir Menschen neigen dazu, alles perfekt machen zu wollen und wir merken manchmal nicht, dass wir zu schnell vorgehen. Denken Sie auch daran, dass Ihre Batterien aufgeladen werden – ein Tag Trauer kann so anstrengend sein wie ein Marathon. Sie müssen sich zwischendurch auch Ruhe gönnen und bitte vergessen Sie nicht zu essen, zu trinken (viel Wasser, nicht so viel Kaffee) und auch mal ganz bewusst und tief durch zu atmen – Sie werden sonst krank.

Suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung – das geht auch temporär, z.B. Kinderbetreuung oder eine Haushaltshilfe für Ihre Privatwohnung. Lassen Sie sich Lebensmittel nach Hause liefern, damit Sie nicht auch noch einkaufen müssen – oder abends vor lauter Leere im Kühlschrank den Pizzadienst kommen lassen müssen.

12. Wohin mit dem Erbe?

Wenn Sie ein Haus oder eine Wohnung geerbt haben, möchten Sie diese sicherlich bald weitervermieten oder in den Verkauf geben. Da Sie aber erst den Haushalt des Verstorbenen auflösen müssen, stellt sich nun die Frage, wie Sie dabei vorgehen wollen. Sie können selbst die wichtigsten, emotional geprägten Stücke entnehmen und den Rest einen Entrümpler oder Haushaltsauflöser machen lassen. Wenn Sie an den meisten Sachen in der Wohnung hängen und sich von allem verabschieden wollen, werden Sie wahrscheinlich lieber selbst tätig und sichten erst einmal, was sich in der geerbten Wohnstätte befindet. Sollten Sie merken, dass es Ihnen zu viel wird und Sie nicht weiterkommen, können Sie jederzeit eine Nachlassbegleitung beauftragen, die Ihnen hilft, zu sichten und zu entscheiden, was mit den Dingen geschehen soll. Durch eine empathische, mitfühlende Außenstehende klärt sich häufig die Sicht auf die Dinge und der nächste Schritt wird wieder leicht.

Auch eine Aufräumerin kann helfen oder am Ende des Prozesses ein Putzservice oder Handwerker zum Renovieren. Alle diese Dienstleistungen greifen ineinander. Brauchen Sie Hilfe bei der Entscheidung, was Sie tun wollen, schreiben Sie mir eine E-Mail an info@nachlassbegleitung.de. Wir klären das und bewältigen die vor Ihnen liegende Aufgabe gemeinsam, so dass für Sie ein lebendiger Abschied und Aufbruch gelingt.

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