Meine Mutter liebte schönes Ge­schirr. Eine Zeitlang bekam sie von meinem Bruder und mir zu jedem Muttertag, zum Ge­burts­tag und zu Weihnachten eine neue schicke Tasse nebst Unter­tasse oder einen neuen Becher mit Blumen- oder Früchtemotiv geschenkt.

Aus unserer Kindheit kannten wir noch das „Acapulco-Geschirr“ von Villeroy und Boch, das ewige Zeiten als unser Alltagsgeschirr gedient hatte. Als wir die Küche ausräumten, stellte sich die Frage: Wohin mit dem guten Geschirr? Weder mein Bruder noch ich wollten es mit nach Hause nehmen und verwenden – es war uns jetzt einfach zu bunt und zu altbekannt. Aber weggeben…? Das konnten wir auch nicht. Also packten wir es nochmal ein und ließen uns ein paar weitere Monate Zeit mit der Entscheidungsfindung.

Ich erinnere mich, dass es früher ein Drama gewesen war, wenn eine Tasse oder ein Teller zu Bruch gegangen waren. Meine Mutter war dann immer sehr traurig und betonte, wie teuer das Geschirr gewesen sei… Auf Flohmärkten schaute sie immer, ob es nicht etwas dazu zu kaufen gab, um die Lücken, die ungeschickte Kinderhände (und – seien wir ehrlich – auch mehr als einmal Erwachsenenhände) gerissen hatten, wieder aufzufüllen.

Die gepackte „Acapulco-Kiste“ fiel uns beim weiteren Aufräumen dann irgendwann erneut in die Hände, und nun musste eine Entscheidung getroffen werden. Da wir beide genug Geschirr hatten, es aber gleichzeitig nicht über das Herz brachten, das gute, alte Geschirr zu verkaufen oder zu verschenken, beschlossen wir, dass ich es einlagern sollte, für den Fall, dass sich einer von uns in ferner Zukunft wieder für das Geschirr begeistern könnte und es in den Alltagsgebrauch aufnehmen wollen würde.

Ich kaufte also eine einigermaßen schöne, festverschließbare Plastikkiste, wusch das Geschirr einmal gründlich ab, packte es in Knisterfolie, Styropor und Geschenkpapier (was ich eben gerade zu Hand hatte) und verstaute es in der Kiste.

Die Kiste steht bis heute in meinem kleinen Keller. Natürlich könnte ich den Platz auch anderweitig gebrauchen, aber mir ist es wichtiger zu wissen, dass das schöne, erinnerungsträchtige Acapulcogeschirr noch da ist und ich es jederzeit wieder benutzen kann – wenn ich es denn möchte!

Das Geschirr kann man sogar jetzt noch häufig auf Flohmärkten finden, oder online auf ebay und co – und es kostet immer noch eine ganze Menge Geld! Ich ertappe mich allerdings gerade dabei, zu überlegen, ob ich fehlende Einzelteile zu dem Service ersteigern sollte, wo ich sie gerade online sehe…

 

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